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Hashimoto-Thyreoiditis – die entzündete Schilddrüse

 

Was ist Hashimoto-Thyreoiditis?

Bei der Hashimoto-Thyreoiditis handelt es sich um eine Autoimmunerkrankung des Körpers. Als Autoimmunerkrankung wird in der Medizin eine Krankheit bezeichnet, bei der das Immunsystem negativ auf körpereigenes Gewebe reagiert. Es sieht fälschlicherweise in dem Gewebe einen zu bekämpfenden Fremdkörper. Das verursacht Entzündungsreaktionen, die im Körper großen Schaden anrichten können. Im Falle der Hashimoto-Thyreoiditis zerstören sie die Schilddrüse durch T-Lymphozyten und die Bildung von Antikörpern. Sie gilt als eine der am häufigsten auftretenden Autoimmunerkrankungen überhaupt und auch als häufigste Ursache für die Schilddrüsenunterfunktion.

 

Frauen erkranken häufiger als Männer

Aktuellen Studien zu Folge liegt die Häufigkeit der Erkrankung an Hashimoto-Thyreoiditis in Westeuropa bei 1-2 Prozent. Der Anteil der subklinischen Erkrankungen (mit nur geringen Krankheitszeichen) liegt bei zwischen 6 und 8 Prozent. Auch hier ist der Anteil der Frauen im Vergleich zu den Männern deutlich höher. Mehr als doppelt so viele Frauen erkranken an Hashimoto-Thyreoiditis. Das kann darauf zurück zu führen sein, dass diese Erkrankung oft in Zusammenhang mit hormonellen Umstellungen wie den Wechseljahren, einer Entbindung oder der Pubertät entsteht.

 

2 Verlaufsarten: Hashimoto-Thyreoiditis & Ord-Thyreoiditis

Hashimoto-Thyreoiditis wurde erstmals im Jahre 1912 beschrieben, vom japanischen Pathologen und Chirurgen Hakaru Hashimoto, nach dem die Erkrankung auch benannt wurde.

Unter dem Oberbegriff Hashimoto-Thyreoiditis sind zwei verschiedene Verlaufsarten der Krankheit bekannt, die sich in Symptomatik, Diagnose und Therapie so ähneln, dass sie zusammengefasst wurden.
Während bei Hashimoto-Thyreoiditis der Verlauf mit einer Vergrößerung der Schilddrüse einhergeht, beschreibt Ord-Thyreoiditis im Verlauf eine Verkleinerung der Schilddrüse. Sie wurde im Jahre 1878 erstmalig vom und nach dem britischen Mediziner und Chirurgen William Miller Ord benannt.

Beide Verlaufsformen führen letztendlich zu einer Schilddrüsenunterfunktion. Durch die Zerstörung des Schilddrüsengewebes ist anfangs auch eine kurzfristige Überfunktion möglich, die dann später in eine langfristige Unterfunktion übergeht.

 

Mögliche Ursachen von Hashimoto-Thyreoiditis

Zu den Ursachen von Hashimoto-Thyreoiditis gibt es noch keine gesicherten Erkenntnisse. Bisher werden folgenden Auslöser für die Erkrankung vermutet:

  • genetische Vorbelastung innerhalb der Familie
  • Viruserkrankungen mit schwierigem Verlauf, wie zum Beispiel Gürtelrose oder Pfeiffersches Drüsenfieber
  • Dysfunktionalität der Nebennierenrinde
  • schädigende Umwelteinflüsse

 

Aktuell wird daran geforscht, welchen Einfluss eine zu hohe Jodzufuhr auf den Ausbruch der Krankheit haben könnte. Ziemlich sicher gilt dabei eine sehr hohe Jodzufuhr, der sogenannte Jodexzess, durch die Gabe von Jod in Kontrastmitteln, welche bei medizinischen Diagnostik-Verfahren eingesetzt werden, als Auslöser. Inwieweit der Jodanteil in Nahrungsmitteln für die Entstehung der Krankheit zuständig ist, muss noch geklärt werden. Auch inwieweit die Jodierung von Speisesalz und tierischen Futtermitteln Einfluss hat.

 

Symptome von Hashimoto-Thyreoiditis

Der schleichende Verlauf und die Vielfältigkeit der Symptome machen eine Diagnose der Krankheit nicht einfach. Das gilt sowohl für den Arzt als auch für die Patienten und hat bei dieser Krankheit besonders negative Auswirkungen. Wenn sich die deutlichen Symptome einer Schilddrüsenunterfunktion erst einmal zeigen und Hashimoto-Thyreoiditis diagnostiziert werden kann, ist meist schon ein großer Teil des Schilddrüsengewebes zerstört.

Die Symptome der Hashimoto-Thyreoiditis sind im Großen und Ganzen die Gleichen wie bei einer Schilddrüsenunterfunktion.

Weitere Informationen dazu unter Schilddrüsenunterfunktion Ursachen und Schilddrüsenunterfunktion Symptome.

Eine Besonderheit der Hashimoto-Thyreoiditis ist die manchmal anfänglich auftretende Schilddrüsenüberfunktion. Dadurch kann es passieren, dass sich zunächst einmal die Symptome einer Schilddrüsenüberfunktion (Hyperthyreose) zeigen und erst später und dann langfristig die Zeichen der Unterfunktion. Das ist sehr trügerisch, da die Über- und Unterfunktion absolut gegensätzliche Anzeichen aufweisen.
Typische Symptome einer Schilddrüsenüberfunktion sind:

  • nervöse Reizbarkeit
  • Fingertremor (Zittern)
  • Ein- und Durchschlafstörungen
  • vermehrtes Schwitzen
  • das Herz klopft deutlich oder rast
  • der Herzrhythmus ist gestört
  • die Haut ist feucht und warm
  • Anfälle von Heißhunger
  • starker Durst
  • Gewichtsabnahme ohne Veränderung des Essverhaltens
  • gestörter und veränderter Monatszyklus bei Frauen, bis hin zum Ausbleiben der Menstruation

 

Diagnose von Hashimoto-Thyreoiditis

Blutabnahme zur Bestimmung der Werte T3, T4 und TSH

Begonnen wird mit einer obligatorischen Blutabnahme zur Feststellung der Werte für T3 (Trijodthyronin), T4(Thyroxin) und TSH (thyroidea stimulating enzyme). Die Werte reichen aber zur Diagnostik einer Hashimoto-Thyreoiditis noch nicht aus, da diese auch trotz normaler T3, T4 und TSH-Werte vorhanden sein kann. Daher kommt noch die Bestimmung der relevanten Antikörper gegen Thyreoperoxidase, auch MAK genannt und der Antikörper gegen Thyreoglobulin (Tg-AK), hinzu. Deren Anstieg ist ein erstes deutliches Zeichen für die Autoimmunerkrankung.

 

Ultraschall zur Festellung von Veränderungen der Schilddrüse

Ein sehr wichtiges Verfahren zur Diagnose von Hashimoto-Thyreoiditis ist die Ultraschalluntersuchung, denn damit können die Größe der Schilddrüse sowie auch eventuell vorhandene Zerstörungen des Gewebes erkannt werden. Außerdem ist hier eine sichtbar stärkere Durchblutung ein Zeichen für eine Schilddrüsenentzündung.

 

Szintigramm zur Erkennung der Jodspeicherung in der Schilddrüse

In den ersten Stadien der Krankheit kann es zu einer Verwechslung mit Morbus Basedow kommen, einer Autoimmunkrankheit, die mit einer Schilddrüsenüberfunktion einhergeht. Um dort eine genaue Unterscheidung zu erlangen, sollte ein Szintigramm gemacht werden. Dadurch ist die Verteilung der Jodspeicherung in der Schilddrüse erkennbar. Bei dieser Untersuchung wird dem Patienten radioaktives Jod zugeführt. Da der Körper aufgenommenes Jod zu fast 100 Prozent in der Schilddrüse speichert, werden von dort aus jetzt Strahlenimpulse ausgesandt, die durch das Szintigramm aufgezeichnet werden. Das erlaubt dann eine Beurteilung der Aktivitätsverteilung innerhalb des Organs. Auf diese Weise können die sogenannten heißen (vermehrte Aktivität) oder kalten (verminderte Aktivität) Knoten festgestellt werden und Hinweise auf eine eventuell bestehende Bösartigkeit eines Knotens erhalten werden.

Ultraschall und Szintigramm ergänzen sich sehr gut bei der Diagnostik dieser Erkrankung. Um eine absolut sichere Diagnose zu erhalten, gibt es darüber hinaus noch die Möglichkeit der Punktion, bei der mit einer sehr feinen Nadel Gewebe aus der Schilddrüse entnommen und dann mikroskopisch auf Lymphozyten untersucht wird.

Behandlung von Hashimoto-Thyreoditis

Die Autoimmunerkrankung Hashimoto-Thyreoiditis ist nach heutigem Stand der Wissenschaft nicht heilbar und auch nicht behandelbar. Allerdings kann und sollte die Folge der Erkrankung, nämlich die Schilddrüsenunterfunktion, auf jeden Fall therapiert werden. Das ist möglich und auch empfehlenswert, da die Symptome schwerwiegenden Einfluss auf das Leben und den Alltag der Erkrankten nehmen können.

In der Regel erfolgt die Therapie durch eine sogenannte Substitutionsbehandlung. Das heißt, dass dem Körper die fehlenden Hormone auf synthetischem Weg, in Tablettenform, zugeführt werden. Das führt, nach Feststellung der geeigneten Dosis, auch zu sehr guten Erfolgen bei den meisten Patienten, so dass sie beschwerdefrei leben können.

Das Herausfinden einer passenden Dosis kann sich allerdings über Monate hinziehen, da es einer genauen Abstimmung bedarf. Darüber hinaus ist es auch wichtig, die Tablette etwa 30 – 60 Minuten vor dem Frühstück zu nehmen, damit sie ihre volle Aktivität im Körper entfalten kann. Von einer gesteigerten Aufnahme von Jod sollte auf jeden Fall abgesehen werden, da sich dadurch die Entzündung der Schilddrüse möglicherweise noch verstärken kann. Die Aufnahme von Jod durch die tägliche Nahrung gilt aber als unbedenklich.

Näheres dazu unter Schilddrüsenunterfunktion Behandlung und Schilddrüsenunterfunktion Vorbeugung.

 

Leben mit Hashimoto-Thyreoiditis

Die zuvor beschriebene Substitutionstherapie dieser chronischen Autoimmunerkrankung muss lebenslang erfolgen, ermöglicht aber dadurch dem Erkrankten sein Leben, ganz normal und ohne Einschränkungen weiterzuleben. Die Krankheit hat auch keinerlei Auswirkungen auf die Lebenserwartung. Viele Menschen sind letztendlich sehr froh über die Diagnose der Krankheit, da sie schon seit vielen Jahren unter den Symptomen gelitten und viele Fehldiagnosen erhalten haben. Einige von ihnen wurden jahrelang gegen Depressionen, Angststörungen oder gar Jodmangel behandelt, ohne dass sich eine Besserung zeigte. Und erst die Feststellung und Erkennung von Hashimoto-Thyreoiditis machte eine richtige Therapie möglich, die endlich wieder die Lebensqualität in ihr Leben brachte.

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