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Behandlung einer Schilddrüsenunterfunktion

Schilddrüsenerkrankungen entwickeln sich zusehends zu Volkskrankheiten: In Deutschland betreffen sie mittlerweile fast jede dritte Person. Frauen leiden rund viermal so häufig wie Männer an Fehlfunktionen des Organs. Das liegt unter anderem daran, dass ihr Hormonhaushalt wesentlich stärkeren Schwankungen unterworfen ist, etwa durch Pubertät, Menopause und monatliche Periode.

Die am weitesten verbreitete Schilddrüsenfehlfunktion ist die Hypothyreose oder Schilddrüsenunterfunktion, gefolgt vom durch Jodmangel verursachten Kropf (euthyreote Struma). Bei letzterem ist in Deutschland ein Nord-Süd-Gefälle zu beobachten. Dafür ist die bessere Versorgung mit jodreichem Fisch und Meeresfrüchten in den küstennäheren Regionen verantwortlich. Weiter gen Süden herrscht eher Jodmangel, eine maßgebliche Ursache für Vergrößerungen der Schilddrüse mit Kropfbildung. Auch hier führt der erhöhte Jodbedarf der Frau während Schwangerschaft und Stillzeit dazu, dass diese das weibliche Geschlecht eher betrifft ist als das männliche.

Schilddrüsenunterfunktion besagt, dass die kleine Hormondrüse am Hals aus unterschiedlichen Gründen zu wenig Schilddrüsenhormone produziert und in die Blutbahn abgibt. Bisher existiert keine Möglichkeit zu einer ursächlichen Behandlung, die die Schilddrüse zu einer normalen Hormonproduktion veranlassen könnte.

Medikamentöse Behandlung einer Schilddrüsenunterfunktion

Schilddrüsenunterfunktion Behandlung mit Homöopathie und Schüssler Salzen

Schilddrüsenunterfunktion Behandlung mit Homöopathie und Schüssler Salzen

Andererseits lässt sich ein solcher Mangel relativ einfach durch die Einnahme künstlicher Schilddrüsenhormone in Form von Tabletten kompensieren (Substitutionstherapie). Eine solche medikamentöse Behandlung einer Schilddrüsenunterfunktion muss ein Patient sein ganzes Leben lang fortsetzen.
>> Mehr über die medikamentöse Behandlung

Schilddrüsenunterfunktion natürlich behandeln

Diese medikamentöse Therapie lässt sich bei Bedarf durch natürliche Behandlungsmethoden sinnvoll ergänzen. Zu diesen komplementärmedizinischen Arzneimitteln und ganzheitlichen Ansätzen gehören homöopathische Präparate, Schüßler-Salze oder Präparate aus dem Blasentang (Fucus).
>> Mehr über die homöopathische Behandlung und die Behandung durch Schüßler Salzen

Rechtzeitige Erkennung und Behandlung der Schilddrüsenunterfunktion sind wichtig, da beim Ausbleiben therapeutischer Maßnahmen schwerwiegende Folgeerscheinungen auftreten.

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Was passiert, wenn ich keine Medikamente gegen die Schilddrüsenunterfunktion nehme?

Bei der üblichen Substitutionstherapie mit Levothyroxin treten in der Regel keine Komplikationen auf. Wichtig ist dabei nur, dass der Arzt die Einstellung der Dosierung richtig angepasst hat und Sie Ihre Tabletten regelmäßig einnehmen, mit oder ohne zusätzliche Behandlung mit Homöopathie, Schüßler-Salzen oder Fucus.

Wird die Therapie vernachlässigt oder findet überhaupt keine Behandlung statt, ist mit einer Reihe von Komplikationen zu rechnen. Da die Schilddrüse zentrales Steuerorgan des Energiestoffwechsels ist, wirkt sich die unbehandelte Unterfunktion auf alle Organe aus. Näheres dazu finden Sie in unserem Kapitel Folgen der Schilddrüsenunterfunktion.

Folgen der Nichtbehandlung einer Schilddrüsenunterfunktion

Allgemeine Symptome sind infolge des verringerten Grundumsatzes Apathie, Müdigkeit, Antriebsverlust und Interessenlosigkeit. Hinzu kommt ein ständiges Kältegefühl sowie Psychosen und Depressionen. Begleitet wird das von einer akuten Gewichtszunahme ohne Änderung des Essverhaltens.

Haut und Gesicht leiden sichtbar unter der unbehandelten Schilddrüsenunterfunktion. Das Gesicht wirkt aufgedunsen, die Haut ist blass, leicht gelblich und wird kalt, trocken und schuppig. Bei schweren Fällen treten Myxödeme auf, Schwellungen durch Einlagerung von Mukopolysacchariden im Gesicht und an Händen und Füßen.

Auswirkungen auf Herz und Kreislauf sind verlangsamter Herzschlag und niedriger Blutdruck. Fatalerweise verschlimmert sich das durch eine Erhöhung des Cholesterinspiegels. In schweren Fällen kommt es zu einer Vergrößerung des Herzens mit Herzinsuffizienz und Perikarderguss.

Das blutbildende System leidet an Eisenmangel, der sich in Blutarmut (Anämie) niederschlägt.

Magen und Darm reagieren mit einer verringerten Tätigkeit. Diese äußert sich in Verstopfungen bis hin zum Darmverschluss.

Muskeln und Knochen des Bewegungsapparates werden von einer Muskelschwäche heimgesucht. Die Gelenke versteifen zusehends und entzünden sich. In der Entwicklung verzögert sich das Längenwachstum der Knochen, es kommt zu Zwergwuchs und Deformationen.

Nervensystem und Psyche leiden nicht minder unter der Nichtbehandlung der Schilddrüsenunterfunktion. Sprache und Mimik sind verzögert, Konzentrationsfähigkeit und Gedächtnis lassen ebenso nach wie die Libido. Ständige Kopfschmerzen werden von zunehmender Schwerhörigkeit begleitet. Letztlich treten schwere Depressionen auf.

Im Endstadium einer unbehandelten primären oder sekundären Schilddrüsenunterfunktion kann es zum hypothyreoten Koma kommen. Ausgelöst wird es durch zusätzliche Faktoren wie Narkose, Infektionen, Herzinfarkte oder Medikamente und Alkohol. Seine Sterblichkeitsrate liegt bei Nichtbehandlung bei einem Viertel der Fälle. Es äußert sich in einer akuten Unterschreitung der Körpertemperatur, herabgesetzter Atemfrequenz und einer Abnahme des Blutvolumens infolge von Ödembildungen. Letzteres führt zu akuten Blutdruckabfall, verlangsamtem Herzschlag, Myxödemen und Hirnödemen. Schließlich kommt es zu einer Lethargie bis hin zu komatösen Zuständen.

Zerstörung der Schilddrüse bei Hashimoto-Thyreoiditis

Die Hashimoto-Thyreoiditis ist eine Autoimmunerkrankung, bei der die körpereigene Immunabwehr fälschlicherweise die Zellen der Schilddrüse angreift. Das führt zu Entzündungserscheinungen, in deren Folge die Schilddrüse zusehens abgebaut wird. Rechtzeitig eingeleitete Therapie kann den Krankheitsverlauf zwar nicht rückgängig machen, aber dafür sorgen, dass der Verlauf sich nur langsam verschlimmert. Unbehandelt führt die Schilddrüsenentzündung zu einer vollständigen Zerstörung der Schilddrüse.

Auch eine nur teilweise Zerstörung der Schilddrüse hat weitreichende Folgen, die das gesamte Spektrum der Symptome einer Schilddrüsenunterfunktion abdeckt. Fatal sind unter anderem die Auswirkungen auf Herz und Kreislauf in Form einer beschleunigten Arteriosklerose, die mit koronarer Herzkrankheit, Herzinfarkt und Schlaganfällen als Todesursache Nummer eins bei Herz-Kreislauf-Erkrankungen gilt.

Folgen der Nichtbehandlung von Schilddrüsenunterfunktionen bei Neugeborenen: Kretinismus

Die schwerwiegendsten Folgen einer Nichtbehandlung von Schilddrüsenunterfunktion treten bei Neugeborenen auf. Denn gerade im Kindesalter ist die Schilddrüse an allen Wachstums- und Entwicklungsvorgängen maßgeblich beteiligt, sodass sich eine Minderversorgung mit den entsprechenden Hormonen fatale Auswirkungen hat.

Dabei muss man zwischen der Nichtbehandlung einer Schilddrüsenunterfunktion der Mutter und der des Kindes unterscheiden. Beides bezeichnet man als Kretinismus.

Angeborene Schilddrüsenunterfunktion: Endemischer Kretinismus

In früheren Jahrhunderten war der endemische Kretinismus in abgelegenen Tälern der Alpen weit verbreitet. Eine nicht therapierte Schilddrüsenunterfunktion der Mutter führt beim ungeborenen Kind zu Entwicklungsschäden, auch wenn dessen Schilddrüse normal funktioniert. Meist ist diese die Folge einer nicht ausreichenden Jodversorgung. Dann kommt es zu schwerwiegenden geistigen Defiziten und körperlichen Fehlbildungen. Die Kinder sind bei diesem sogenannten endemischen Kretinismus minderwüchsig mit rundem Gesicht, deformierter Nase (Sattelnase), Schwerhörigkeit und verkürzten, dicken runden Fingern.

Angeborene Schilddrüsenunterfunktion. Sporadischer Kretinismus

Schwere Auswirkungen hat auch der sporadische Kretinismus mit einer angeborenen Schilddrüsenunterfunktion des Kindes. Dabei handelt es sich um eine primäre, das heißt auf die Schilddrüse selbst zurückzuführende Erkrankung, die von der Jodversorgung unabhängig ist. Entwicklung und Geburt verlaufen normal, da der Embryo von den mütterlichen Hormonen mitversorgt wird. Die eigene Schilddrüsenunterfunktion manifestiert sich daher erst nach der Geburt. Die Babys sind ständig müde, bewegungsfaul und zeigen einen schwachen und langsamen Puls. Die Muskulatur ist nur schlaff und die Neugeborenen-Gelbsucht dauert ungewöhnlich lange. Häufig leiden die Kinder an Verstopfung, haben infolge Bindegewebsschwäche Nabelbrüche und sind trinkfaul. Auch beim sporadischen Kretinismus ist das Knochenwachstum verzögert.

Beide Formen des Kretinismus verlaufen einigermaßen glimpflich, wenn man die Erkrankung rechtzeitig erkennt und therapiert. Bereits aufgetretene Schäden sind jedoch nicht mehr rückgängig zu machen. Die angeborene Form der Schilddrüsenunterfunktion muss lebenslang mit Levothyroxin behandelt werden.

Literatur und Quellen

  • Frank Grünwald, Karl-Michael Derwahl: Diagnostik und Therapie von Schilddrüsenerkrankungen: Ein Leitfaden für Klinik und Praxis. Auflage. Köln 2016: Lehmanns-Verlag. ISBN-10: 3865417655.
  • Gerd Herold: Innere Medizin. Köln 2016: G. Herold-Verlag. ISBN-10: 3981466063.
  • Wolfgang Piper: Innere Medizin. Auflage. Stuttgart 2012: Springer-Verlag. ISBN-10: 3642331076.